2005/08/13 Konzert
in der Maria-Magdalenen-Kirche Templin
Motetten völlig von der Rolle
2005/08/15 Nordkurier
Von Peter Buske
TEMPLIN. Ein „feuriger und gedankenreicher Komponist“ sei Johann
Heinrich Rolle (1716– 1785), schreibt der englische Musikreisende Charles
Burney. Musikkritiker Friedrich Wilhelm Marpurg nennt den Magdeburger Musikdirektor
einen „angenehmen, geschmackvollen Setzer, dessen Vokal- und Instrumentalcompositionen
Kennern nicht unbekannt seyn können“. Wer kennt ihn heute noch?
Die Uckermärkischen Musikwochen bestritten ihr Eröffnungskonzert
am Sonnabend in der Templiner Maria-Magdalenen-Kirche mit Kantaten und Motetten
aus der Rolleschen Feder. Ein verdienstvolles Unterfangen, beifällig
aufgenommen. Was umso leichter fällt, als der Tonsetzer den „Liebhabern
eines ungekünstelten Gesanges“ (so seine Sammlung geistlicher Lieder)
entgegenkommt. Originell die Einfälle, geistvoll, reich mit Affekten
versehen. Die Kantate wird zum erfindungsreichen Betätigungsfeld. Unter
der Hand entstehen Miniopernszenen. Sie aufzuführen, verlangt kenntnisreiche
Könner. Mit dem Collegium Marianum Prag und dem Kammerchor Michaelstein
unter Leitung von Sebastian Göring stehen sie zur Verfügung.
Wie ein Uhrwerk wechseln farbenprächtig instrumentierte Motetten mit
Kantaten, deren Stimmungen für Kontraste sorgen. Getragen verbreitet
sich das Bekenntnis „Der Friede Gottes“, gefolgt von der klangfestlich
auftrumpfenden, mit Pauken und Trompeten reich garnierten Kantate „Singet
dem Herrn ein neues Lied“. Die frischen Stimmen des Chores begeistern.
Die Balance zwischen exzellenten Frauen- und Männerstimmen bleibt stets
gewahrt, die Homogenität des Singens ebenso. Man intoniert sauber und
klar, was in und hinter den Noten steht.
Das Solistenquartett lässt sich anstecken. Angenehm und ausladend meistert
Bassist Gun-Wook Lee aus Südkorea die poetischen Rezitative und koloraturgespickten
Arien. Mit leicht geführtem Tenor überzeugt der Leipziger Andre
Khamasmie – eine typische Oratorienstimme. Über die verfügt
auch Sopranlyrikerin Ulrike Fulde, der es koloraturensicher aus geläufiger
Gurgel tönt. Dagegen klingt Altus Steve Wächter sehr angestrengt.
Kaum ihren
besten Tag erwischt haben ebenfalls Hornisten und Trompeter, die ihren Barockinstrumenten
nicht immer astreine Töne entlocken. Ansonsten bemüht sich das Ensemble
um lebendiges, vibratoloses Musizieren. Die Aufzeichnung wird am 5. September
(21.03 Uhr) von DeutschlandRadio Kultur gesendet.
Quelle: www.nordkurier.de