2005/08/13 Konzert in der Maria-Magdalenen-Kirche Templin
„Kommt her und schauet“ zum Eröffnungskonzert
2005/08/15 Uckermark Kurier - Templiner Zeitung

TEMPLIN (reng). Besucher, die am Sonnabend der Einladung zum Eröffnungskonzert der Uckermärkischen Musikwochen 2005 gefolgt waren, konnten sich in der Maria-Magdalenen- Kirche eines ganz außergewöhnlichen Klangerlebnisses erfreuen.
Die Wahl der Veranstalter war diesmal auf festliche Motetten und Kantaten von Johann Heinrich Rolle gefallen. Ein Wagnis, denn Rolle, der 1716 in Quedlinburg geboren wurde und 1785 in Magdeburg starb, war zwar zu seiner Zeit ein von Hamburg bis Riga gefeierter Komponist, der 1764 in Magdeburg sogar eine öffentliche Konzertreihe begründete, doch schon bald nach seinem Tod weitgehend in Vergessenheit geraten.
Preußenkönig Friedrich II. aber wusste Rolles Fähigkeiten zu schätzen. Bereits im Jahr seiner Thronbesteigung hatte er, der Musiker zwar in der Regel schlecht bezahlte, doch höher schätzte als seine Minister, den vormaligen Magdeburger Organisten als Violinist und Bratschist an seine Hofkapelle verpflichtet. Hier kam Johann Heinrich Rolle mit damals führenden Musikern zusammen.
Schon 1746 kehrte Rolle jedoch nach Magdeburg zurück, wo er zunächst wieder Organist wurde und später das Amt des Musikdirektors und Kantors an St. Johannis übernahm. In dieser Zeit entstanden die meisten der am Ende sieben geistlichen Motetten und drei Kantaten, die nun am Sonnabend unter Leitung von Sebastian Göring vom Kammerchor Michaelstein, begleitet vom Collegium Marianum Praha und den Solisten Ulrike Fulde, Steve Wächter, André Khamasmie und Gun-Wook Lee, zur Aufführung kamen.
„Kommt her und schauet“ – der Anfang der zweiten, der jeweils im Wechsel mit den Kantaten vorgestellten Motetten hätte als Motto über dem Abend stehen können. Keiner der gut 250 Konzertbesucher zeigte sich enttäuscht von den Werken des „Unbekannten“. Tatsächlich fiel es eher schwer, der wegen der gleichzeitigen Rundfunkaufnahmen vorab erbetenen Beschränkung des Beifalls auf die Pause und auf das Konzert- ende auch Folge zu leisten. Denn jedes Stück und so manche Sololeistung wären des Beifalls würdig gewesen, kein Wunder, dass er schließlich um so heftiger aufbrandete und die Musiker nicht ohne Zugabe entließ.
Meisterlich setzten die Musiker das um, was Rolle mit seinen Werken wollte. „Wenn die Erde bebt“, kommentierte es der 30-jährige Dirigent Sebastian Göring, „dann bebt sie bei ihm auch“. Text und musikalische Umsetzung wirken bei Rolle fast wie ein Vorgriff auf heutige Filmmusiken. Sie sind ungewöhnlich dramatisch angelegt. Furioser Trompeten- und Paukeneneinsatz, liebliche Flötenszenen, wo es die geistliche Textaussage unterstreicht. Fast kleine Opernszenen, von den jungen Solosängern, dem Chor und den Instrumentalisten als geschlossene Leistung präsentiert.
Am Sonnabend waren glitzernde Edelsteine des wenig bekannten Komponisten zu erleben, der zweifellos mehr Aufmerksamkeit verdient. Ein würdiger und gelungener Auftakt für die Uckermärkischen Musikwochen, deren Programm in den nächsten Wochen, auch dank zahlreicher Förderer und Sponsoren, noch eine Reihe weiterer Höhepunkte bereithält. Wer das Templiner Konzert noch einmal erleben möchte, hat am 5. September nach 21 Uhr auf Deutschlandradio Kultur Gelegenheit dazu.

Quelle: www.nordkurier.de

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