2004/08/08 Konzert
in der St. Anna Kirche zu Augsburg
Faszinierende Stimmkultur
2004/08/10 Augsburger Allgemeine
Konzert zum Friedenstag in mit Kirkby und Kollegen
Von unserem Mitarbeiter Michael Wersin
![]() Ein Star der Historischen Aufführungspraxis: Sopranistin Emma Kirkby, hier beim Konzert am Sonntagabend in St. Anna. David Fisher (h.) leitet die Batzdorfer Hofcapelle. (Bild: Zoepf) |
Der in der lutherischen Theologie zentrale Aspekt des Lob- und Dankopfers fand zu Beginn in Gestalt von Bachs Eingangschor "Singet dem Herrn ein neues Lied" aus BWV 190 prachtvollste Umsetzung. Noch ausführlicher kam Bach mit seiner Choralkantate "Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren" BWV 137 zur Geltung, in der das bekannte Kirchenlied vielfältigste kontrapunktische Bearbeitung erfährt.
Und mit Händels "Ode for Saint Cecilia's Day", einem ausgesprochen plastisch-farbenfrohen, unmittelbar anschaulichen Lob der Musik angesichts ihrer hervorragenden Stellung im Schöpfungsplan, endete das Konzert auf effektvolle Weise.
Seyferts Oratorium zur Confessio
Durchaus nicht zu verstecken brauchte sich in dieser illustren Umgebung Johann Caspar Seyferts 1730 entstandenes Oratorium zum 200-jährigen Jubiläum der Confessio Augustana, das in Auszügen zu hören war: Kreative instrumentatorische Ideen und einfallreiche Melodik zeichnen die Musik des einstigen Chordirektors von St. Anna aus; die lehrhaften, dem Anlass gemäß sehr plakativen Texte riefen gelegentlich ein Schmunzeln hervor.
Als vergleichsweise unspektakulär erwies sich dagegen die "Augsburg Elegy" des britischen Komponisten David Fisher, der als Dirigent auch die Leitung innehatte: Stilistische Elemente des Musical- und Filmmusikgenres flossen ein in dieses geschäftig dahineilende, ein wenig harmlose "Choralvorspiel" über einen Cantus firmus von Thomas Tallis. Bei der Uraufführung seines Werks ließ sich Fisher zu äußerst engagiertem Dirigat hinreißen, während er andernorts, besonders auch in für das Zusammenspiel heiklen Momenten, oftmals weniger Einsatz zeigte.
Star unter den Vokalsolisten war zweifellos der Tenor James Gilchrist: Mit kraftvoller, ungemein wohlklingender Stimme und interpretatorischer Hingabe verstand er das Publikum immer wieder aufs Neue zu faszinieren. Emma Kirkby, mittlerweile ein Stück lebendige Geschichte der Historischen Aufführungspraxis, präsentiert sich mit ihrem glockenhellen, geschmeidig geführten Sopran auch im sechsten Lebensjahrzehnt noch in guter Form. Alan Ewing beeindruckte mit seinem überwältigend voluminösen, etwas guttural positionierten Bass vor allem in einer dramatischen Arie des Seyfert-Oratoriums, wo er sich mühelos gegen das volle Orchester-Tutti durchsetzte; als Duettpartner von Kirkby hingegen musste er hin und wieder beinahe ins Falsett flüchten, um sich ihrer schlanken Tongebung anzugleichen.
Chorkultur auf höchstem Niveau bot der Kammerchor Michaelstein, ein junges, an historischer Aufführungspraxis geschultes Vokalensemble. Mit seiner schlanken, flexiblen Linienführung und überlegenen klanglichen Homogenität bildete es das ebenbürtige Pendant zur brillanten Batzdorfer Hofcapelle mit ihrem hellen Streicherklang und ihren angenehm timbrierten, trotz aller Strahlkraft unaufdringlichen ventillosen Trompeten.
Quelle: www.augsburger-allgemeine.de