2004/06/05 Konzert
in der Marktkirche Eschwege
Musikalische Vesper der Extraklasse
2004/06/07 Werra-Rundschau
Konzert mit deutscher und polnischer Musik
von Francisco Pujiula
ESCHWEGE.
„Musica vivat, crescat, floreat“ sangen im Kanon am Ende des Konzerts
Chor und Publikum: die Musik soll leben, wachsen, blühen. Ja, die Musik
in Form des a-cappella Gesangs hatte am Samstagnachmittag in der Marktkirche
wunderschön geblüht.
Es war die zweite Musikalische Vesper in diesem Jahr, und ein hervorragendes
Vokalensemble war gekommen: der Kammerchor Michaelstein mit Sitz in der Stiftung
Kloster Michaelstein (Blankenberg/Harz), wo sich seit den 60er Jahren ein
Institut für Aufführungspraxis der ehemaligen DDR befindet.
Die etwa 20 Sängerinnen und Sänger, die aus allen Teilen der Bundesrepublik
kommen, präsentierten sich unter der Leitung von Sebastian Göring
als wundervoll integriertes Ensemble, das mit genauer Artikulation, starkem
Ausdruck und schönem Stimmmaterial tiefe Faszination ausübte –
eine Faszination, die durch das ausgefallene Programm noch potenziert wurde.
Zuerst mit wenig bekannten Werken von mitteldeutschen Komponisten aus drei
Jahrhunderten, darunter ein triumphales „Die Ehre des Herrn ist ewig“
von Johann Heinrich Rolle und eine bewegende Motette über eine Parabel
Jesu, „Das große Abendmahl“ von Johannes Weihrauch.
Und dann mit einer exquisiten Auswahl aus Werken polnischer, meistens zeitgenössischer
Komponisten. Dieser polnische Teil, der nur einmal mit vier prachtvollen,
volksliedartigen Kompositionen des spät-romantischen Deutschen von Sigfrid
Karg-Elert, der bei uns bislang nur sporadisch als Orgelkomponist zu hören
war.
Angefangen mit einer hinreißenden Preludio e Toccata für Chor über
ein witzig-reizvolles „Katzenstück“ bis zu feinfühligen
Vertonungen von Gedichten wurde hier ein attraktiver Querschnitt durch die
(auch sie blühende) Vokalmusik-Landschaft gezeigt und berauschend interpretiert.
Eine Musikalische Vesper der Extraklasse, an deren Schluss das Publikum, das
in guter Zahl gekommen war, vergnügt und singfreudig in den Kanon einstimmte.
Und nach dem stürmischen Schlussapplaus verabschiedete sich der junge
Chor mit der Wiederholung eines polnischen Liedes als Zugabe.