2003/11/30 Konzert
im Schlosssaal Altenburg
Junge Sänger boten etwas für den erlesenen
Geschmack
Adventskonzert mit Kammerchor im Bachsaal des Schlosses Altenburg.
2003/12/02 Osterländer Volkszeitung
Der Reigen der diesjährigen Adventskonzerte in Altenburg wurde mit einer
Veranstaltung im Bachsaal des Schlosses eröffnet. Zu Gast war einer der
Chöre aus Deutschland, der sich vorrangig mit der Aufführung der
Chormusik des 17. und 18. Jahrhunderts beschäftigt, nämlich der
Kammerchor Michaelstein. Die Sänger dieses Ensembles, alles begeisterte
junge Leute, kommen aus den verschiedensten Teilen von Deutschland und treffen
sich jeweils am Wochenende zu intensiven Proben und Konzerten. Und so war
es auch am ersten Adventswochenende, wo sie Konzerte in Hof, Oelsnitz und
schließlich in Altenburg gaben.
Unter der Leitung von Sebastian Göring war ein sehr motiviertes und engagiertes
Ensemble zu erleben. Die etwa 20 Sängerinnen und Sänger ließen
von Anfang an ein hohes stimmliches und interpretatorisches Niveau erkennen.
Das verwundert nicht, denn der Kammerchor Michaelstein wurde schon zu verschiedenen
erstklassigen CD-Produktionen verpflichtet.
Das Programm des Adventskonzertes war fast ausschließlich dem Vokalschaffen
bekannter deutscher Meister gewidmet, unter ihnen Johann Erasmus Kindermann,
Andreas Hammerschmidt, Dietrich Buxtehude, Thomas Selle oder Georg Philipp
Telemann. Insofern konnte man ein vorweihnachtliches Konzert erleben, das
weniger dem populären als vielmehr dem erlesenen Geschmack Rechnung trug.
Begleitet wurde der Chor sowohl von Felix Friedrich am Orgelpositiv wie auch
von zwei Barockviolinen (Erik Sieglerschmidt und Susanne Kanis), Viola da
Gamba (Katharina Schlegel) und Laute (Erik Warkenthin). In dieser authentischen
Kombination erklangen die Werke der genannten Komponisten in einer sehr lebendigen
und makellosen Wiedergabe unter der inspirierenden und sicheren Leitung von
Sebastian Göring.
Neben bekannten adventlichen Motettentexten wie "Machet die Tore weit"
oder "In dulci Jubilo" standen drei sehr unterschiedliche Magnifikat-Vertonungen
im Mittelpunkt dieses Konzertes. Zunächst war eine sehr schlicht anmutende
Bearbeitung dieses Textes durch Wolfgang Carl Briegel zu hören. In Form
einer Kantate stand dazu im Gegensatz das Stück des französischen
Komponisten Petit aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die musikalisch reifste
Fassung war von dem Bachschüler Johann Ludwig Krebs zu hören, der
die deutsche Version des Magnifikats vertonte; ein sehr beeindruckendes Werk.
Die Sopranistin Cornelia Werner zeigt eine ausgefeilte Leistung in der Kantate
"Hosiannah dem Sohne David" von Georg Philipp Telemann, wo zwei
im Affekt sehr unterschiedliche Arien hohe Anforderungen an die Solistin stellten.
Umrahmt wurde das Programm mit ansprechender Orgelmusik eines anonymen Meisters
vom Ende des 18. Jahrhunderts und von Johann Ludwig Krebs.
Das nahezu ausverkaufte Konzert zeigte, dass auch weniger bekannte und seltener
aufgeführte Adventsmusik ihren ganz speziellen Reiz besitzt und die Zuhörer
durchaus fesseln kann.
Felix
Friedrich
Abdruck
mit freundlicher Genehmigung der Osterländer Volkszeitung