2003/10/25 Konzert im Kloster Michaelstein
Ein Konzert der Superlative zum Jahrestreffen im Kloster
2003/10/30 Harzer Volksstimme

Nach dem festlichen Konzert am 25. Oktober im Kloster Michaelstein setze ich mich gern dem Vorwurf der Selbstbeweihräucherung aus. Das Telemannische Collegium Michaelstein (TCM) spielte Werke von Telemann und Stölzel aus Anlass des Jahrestreffens der Gesellschaft der Freunde Michaelstein (GdF). Staatssekretär Winfried Willems, Direktor Andreas Walter und der Vorsitzende der GdF, Steffen Wendlik, würdigten das in der Stiftung Erreichte und gingen auf die besondere Bedeutung des Gründers Dr. Eitelfriedrich Thom, auch für die gesamte Region, ein. Nachdem das TCM bereits die Jahresversammlung am Nachmittag mit einem virtuosen Concerto von Telemann eröffnete, möchte ich das abendliche Konzert als Konzert der Superlative bezeichnen!
Schon die einleitende Ouvertürensuite von Telemann ließ erahnen, welch professionelle Erarbeitung der Werke durch die Musiker unter Prof. Luder Rémy erfolgte. Hervorzuheben sind hier das perfekte Zusammenspiel des Orchesters, die prägnante Artikulation und der ausgesprochen homogene Gesamtklang. Die beiden Kantaten von Gottfried Heinrich Stölzel waren dazu angetan, die Vorfreude auf das folgende Großwerk - Telemanns Kapitänsmusik von 1730 für Soli, Chor und Orchester - anzuheizen. Schon hier bestachen die Leichtigkeit der gesanglichen Interpretation, der gezielte Einsatz barocker Gestaltungsmittel (z.B. Vibrato nicht als "Dauerauftrag" sondern als kleiner Teil einer vielfältigen Palette), imponierende Textverständlichkeit bei allen Solisten, ebenso brillante wie federnde Sechzehntelketten und vor allem der Spaß am Musizieren.

Musiker begeisterten
Was aber nach der Pause auf das Publikum zukam, ist einem Sturmangriff der Begeisterung gleich zu setzen.
Man kann jedes Gesellschaftsmitglied und ortsansässiges Publikum nur bedauern, wenn es die Anreise scheute! Selten habe ich auch von den anderen Konzertbesuchern solch einhellig positive Beurteilungen gehört. Man hatte den Eindruck, als würden sich die Solisten an Ausdrucksfähigkeit buchstäblich die Seele aus dem Leib singen wollen. Wieder überzeugten die Orchestermusiker bis ans letzte Pult durch besagte Perfektion in allen Belangen. Was aber auch vom Kammerchor Michaelstein unter Sebastian Göring geleistet wurde, muss keinen internationalen Vergleich scheuen! Als Detail seien nur die filigrane Fugenbehandlung und die absolute Homogenität sowohl in den Chorälen wie in der Abwechslung von Solisten und Chor genannt. Es ist bewundernswert, wie Chor und Solisten sich quasi als zweites Orchester in die Interpretation einbrachten; um so mehr, da Ludger Rémy sich hundertprozentig auf die Vorarbeit durch den Chorleiter Sebastian Göring verlassen konnte!
Für Unverständnis sorgte bei vielen Gesellschaftsmitgliedern der Umstand, dass nur wenige Stiftungsmitarbeiter den Weg in dieses Konzert fanden. Gerade hier hätte sich die Gelegenheit geboten, die eigene Identifikation mit einem wesentlichen Bestandteil der Stiftungsarbeit zu demonstrieren.

Torsten Michel
Blankenburg

back home
www.choirworld.com