2002/11/24 Konzert
in Kölner Philharmonie
Ein Abend der Stimmschönheit und Ausdrucksfülle
2002/11/27 Bonner General-Anzeiger
KONZERT
Christoph Spering dirigiert Verdis Requiem in der Kölner Philharmonie
Der Arbeitskreis
Kölner Chöre hat vor wenigen Jahren Einzelaktivitäten gebündelt
und koordiniert. Indem der Erlös aus den Konzerten jetzt in eine gemeinsame
Kasse fließt, wird der Mut zu Werken abseits des populären Repertoires
gestärkt. Eine Komposition wie Giuseppe Verdis Requiem gehört freilich
zu den unverzichtbaren Standards und war lange genug in Köln nicht mehr
zu hören gewesen, sieht man von einer WDR-Aufführung unter Semyon
Bychkov ab.
Für Christoph Spering, mit Schubert und Mendelssohn auch in romantischen
Gefilden etabliert, bedeutet Verdis Spätwerk zeitlich gesehen einen weiteren
Schritt voran. Und nicht erst seine Operntätigkeit, in jüngster
Zeit verstärkt an NRW-Theatern, hat ihn als einen dramatisch impulsiven
Dirigenten ausgewiesen. An Drive, Schlagkraft und Hitzigkeit ließ jetzt
auch seine Verdi-Interpretation nichts zu wünschen übrig.
Das Requiem, welches in der Historie einige besondere Verbindungen zu Köln
aufweist, wird mit Vorurteilen hinsichtlich einer allzu theatralischen Musiksprache
nicht länger behelligt, selbst zurückhaltend, ja feindlich urteilende
Zeitzeugen von einst haben nach wiederholter Beschäftigung mit dem Werk
ihren Respekt, mitunter sogar Begeisterung eingestanden. Dem heutigen Hörer
gilt Verdis sakrales Chef d'oeuvre ohnehin als ein Nonplusultra seiner Gattung.
Die nahezu ausverkaufte Philharmonie mag mit Freunden des Kammerchors Michaelstein,
der Mülheimer Kantorei und des Chorus Musicus Köln angereichert
gewesen sein, aber Interesse und Beifall an diesem Abend galten erkennbar
auch dem ergreifenden Werk und einer Wiedergabe, die nur als superb bezeichnet
werden kann.
Spering brachte die Ausdrucksfülle eindrucksvoll zum Klingen, sei es
beim "Dies irae" mit den martialischen Schlägen der großen
Trommel, sei es bei sphärischen Abschnitten wie "Recordare"
oder "Lux aeternam". Bei "Tuba mirum" hätte eine
dezidiertere Fern-Aufstellung der Trompeten die Raumwirkung allerdings noch
vergrößert. Nur ganz selten (wie bei den Celloaufgängen des
"Pie Jesu") kam das Kölner Sinfonieorchester an Grenzen; die
aus Gürzenich und WDR rekrutierten Musiker boten ansonsten eine würdige
und mitreißende Leistung.
Mit gesteigerter Bewunderung muss vom Chor gesprochen werden, der nicht nur
den Ansprüchen seines umfangreichen und heiklen Parts sicher nachkam,
sondern auch durch besonders homogenen Klang bestach. Bei der Wahl der Vokalsolisten
hatte Spering eine glückliche Hand, wenn man den sicher tapferen Einsatz
des Tenors Rodrigo Orregos nicht zu sehr auf die Goldwaage legt. Francesca
Scaini war als Sopran (ungeachtet minimaler Intonationstrübungen) sozusagen
eine Lichtgestalt, Gerd Grochowski, Bonns Holländer, ein kantabel veredelter
Kraftbass. Bei der Mezzosopranistin Alexandra Petersamer kam einem mehrfach
Christa Ludwig in der Giulini-Referenzaufnahme in den Sinn. Die Pause nach
dem "Dies irae" wurde begründet, ohne dass die Ausführungen
überzeugt hätten.
Christoph
Zimmermann