2002/11/24 Konzert
in Kölner Philharmonie
Tod und Richter traten wie Könige auf
2002/11/26 Kölner Stadt-Anzeiger
Christoph Spering erinnerte mit einer grandiosen Aufführung an die Köln-Visite
des Komponisten.
In Köln hat Ferdinand Hiller 1875 die deutsche Erstaufführung durchgesetzt,
hier leitete Guiseppe Verdi seine dramatische "Messa da Requiem"
1877 auch selbst. Doch seiner Forderung, endlich "alle von mir beabsichtigten
Effekte herauszuholen", dürfte Christoph Spering jetzt in der Philharmonie
näher gekommen sein. Er hatte das nötige Ensemble, das mit Gänsehauteffekt
alle Angst der Kreatur aufdeckte, mit fantastischen Reserven für Verdis
Aufgipfelungen.
Hatte der Tod die Komposition ausgelöst, so rief er hier als Zentralgestalt
heftigste Abwehrkräfte auf. Und ließ sie abprallen. Wie mit Hammerschlägen
verkündete der Chor aus Mülheimer Kantorei, Chorus musicus und Kammerchor
Michaelstein das Jüngste Gericht. Er tat Abgründe auf, ließ
einen Hauch von Gebet, von Flehen klingen und malte herrliche Visionen vom
Jenseits aus. Auch das Kölner Sinfonieorchester nahm Sperings Herausforderungen
an. Es vollbrachte Gewalttaten mit Trompeten, Posaunen und harscher großer
Trommel. Die Oboe gab dem Herdenbild himmlischen Frieden, Flöten umspielten
das ewige Licht. Aber dazu hörte man mehr denn je subtile Untergrundarbeit,
eine Unruhe, ein Stocken des Atems. So waren Chor und Orchester beste Partner
für Soloszenen von Verdi-Format.
Francesca Scainis Sopran, groß in allen Höhen und Tiefen, rührte
im fadenschlanken Piano an, überstrahlte aber auch mühelos das Ensemble.
Bisweilen klang ihre Bitte "Libera me" wie ein Befehl aus Angst.
Ihre Duette mit Alexandra Petersamers farbintensivem Mezzo ergrfifen. Der
junge chilenische Tenor Rodrigo Orrego bot für innige Gebete eine italienische
Träne im Ton auf. Zwar verriet Gerd Grochowski noch Probleme in unbegleiteten
Sätzen, aber sein klangvoller, beweglicher Bass ließen Tod und
Richter wie Könige auftreten. Eine grandiose Matinee. Nicht zuletzt,
weil Sperings notorische Texttreue ein derart packendes Ergebnis hervorgebracht
hat.
MARIANNE
KIERSPEL
http://www.ksta.de/artikel.jsp?id=1037722067049