2001/12/09 Konzert in der Frankenberger Kirche, Goslar
Europäische A-capella-Musik überzeugte

2001/12/11 Goslarsche Zeitung

Kammerchor Michaelstein präsentierte ein zehn Jahrhunderte umspannendes Programm in Frankenberger Kirche
GOSLAR. Einen musikalisch interessanten 2. Advent bescherte den Zuhörern in der voll besetzten Frankenberger Kirche der Kammerchor Michaelstein. Er wurde 1991 gegründet, besteht aus 20 Damen und Herren und wird gegenwärtig von Sebastian Göring geleitet. Der Chor präsentierte sich mit einem zehn Jahrhunderte umspannenden Programm europäischer A-capella-Musik. Ein Antiphon aus dem 11. Jahrhundert, ein Wechselgesang zwischen einem Vorsänger und einem kleinen Chor, leitete das Konzert ein. Hier waren die Sänger auf zwei Emporen verteilt, wie das Giovanni Gabrieli, Kapellmeister in San Marco zu Venedig, für sein Magnificat a 8 voci auch vorgesehen hat. Schon in diesen drei Stücken, noch überzeugender in den folgenden, bestach der Kammerchor durch die Homogenität des Klanges, durch überzeugende Gestaltung der dynamischen Unterschiede. Obwohl "Laententur coeli" von Hans Leo Hassler ein geistliches Werk ist, hörte man doch Anklänge an sein eigentliches Schaffen, die weltlichen Gesänge, heraus. Daran schlossen sich kürzere geistliche Gesänge von Johann Walther, Heinrich Schütz, dem großen A-capella-Meister des 17. Jahrhunderts, bis zu Chr. W. Gluck, die alle einfühlsam und klanglich ausgewogen vorgetragen wurden. Der erste Teil des Konzertes schloss mit einem Werk von Johann Ludwig Krebs. Sein in mehrere Abschnitte unterteiltes "Magnificat" wurde werkgerecht interpretiert. Es war eine Wiedergabe, die überall bestechend war. In eine ganz andere Welt geistlicher A-capella-Musik führte die Zuhörer das "Salve Regina" von Franz Liszt und "Tollite hostias" von Camille Saint-Saëns. Während der Kammerchor das Salve Regina zart und im klangreinen Piano darbot, verlangt das Stück von Saint-Saëns kräftige, mitreißende Wiedergabe. In allen Stücken interpretierte der Kammerchor unter feinfühliger Leitung von Sebastian Göring vom Wort her. Von Max Reger stammt der bekannte Satz des Adventsliedes "Macht hoch die Tür", in den drei Strophen abwechslungsreich gesungen. Ein bemerkenswertes und nicht leichtes Stück ist das "Adventi ének" von Zoltán Kodály, dem neben Bela Bartók bekanntesten ungarischen Komponisten der Gegenwart. Den Abschluss des Konzertes bildeten drei Stücke der "Göttlichen Liturgie des hl. Johannes Chrysotomos". Auf das "Blagaslovi" von Michail Ippolitov, ganz im Stile russischer Kirchenmusik, folgten das "Tebje pojem" von Rachmaninow, der "Cherubinische Lobgesang" von Tschaikowsky, ausdrucksvoll gestaltet. Auf den lang anhaltenden Beifall bedankte sich der Kammerchor mit einer Zugabe: dem bewegenden Choralsatz "Wie soll ich dich empfangen" von Johann Sebastian Bach. Es war ein A-capella-Konzert von hohem Niveau.

Gerhard Muschwitz


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