2001/12/01
Konzert in St. Andreas, Bad Harzburg/Bündheim
Hochkarätiger Chor beeindruckte
2001/12/05 Goslarsche Zeitung + Foto
Etwa
40 Zuhörer zollten Kammerchor Michaelstein Dank für "Musik
aus acht Jahrhundert aus acht Ländern"
BÜNDHEIM. Einmal mehr hat es Pastor Christian Leu geschafft, eine hochkarätige
Besetzung für ein Konzert in St.-Andreas zu gewinnen: den Kammerchor
Michaelstein aus Blankenburg.
Die Mitglieder des 1991 gegründeten Chores, der seit Juli unter der Leitung
von Sebastian Göring steht, kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und
treffen sich einmal im Monat in der Stiftung Kloster Michaelstein, um anspruchsvolle
Chorliteratur einzustudieren. Der Kammerchor hat bereits eine Reihe von Erfolgen
zu verbuchen; so konnte er bei internationalen Wettbewerben triumphieren und
Einspielungen für den Rundfunk aufnehmen.
Das Repertoire des Chores, der mit 18 Sängern zu Gast war, umfasst insbesondere
a-capella-Werke von Renaissance über Barock bis ins 20. Jahrhundert.
Unter dem Titel "Musik aus acht Jahrhunderten aus acht Ländern"
bekamen etwa 40 Zuhörer in St.-Andreas eine sorgfältige Auswahl
adventlicher Musik zu hören. Passend zum ersten Advent gab die vierteilige
Antiphon "Rorate caeli" aus dem 11. Jahrhundert von unbekanntem
Komponisten den Auftakt. Den Gegengesang zum Chor ("Tauet Himmel")
stellte Sebastian Mende als Tenor.
Eine weitere Antiphon aus dem 15. Jahrhundert aus England folgte. Den Wechselgesang
arbeiteten hier Jana Rutte (Sopran) und Marc Hartwiger (Tenor) sauber heraus:
die "Alma redemptoris mater" (eine marianische Antiphon, die der
Adventszeit zugewiesen wird) brillierte mit einer ausgeglichenen akustischen
Fülle, die dem ersten Stück noch geringfügig fehlte, und einem
deutlichen Kontrast zwischen forte und piano.
In dem "Magnificat a 8 voci" aus dem 17. Jahrhundert von Giovanni
Gabrieli dominierten besonders wohl temperierte Harmonien. Lobenswert war
die präzise Artikulation und die Dominanz des Soprans, die von Tenor
und Bass in der Unterstimme unterstrichen wurden. Sehr schön herausgearbeitet
wurden auch die versetzten Crescendi, die zum abrupt endenden Höhepunkt
leiteten.
Im Mittelpunkt des insgesamt 19 Stücke umfassenden Konzertes stand das
"Magnificat" von Johann Ludwig Krebs (18. Jahrhundert). Auch hier
glänzte der Chor durch korrekte Einsätze der Stimmen, was eigentlich
nicht extra erwähnt werden müsste, die aber im folgenden durch Crescendi
zusammengeführt wurden und durch eine abgestimmte Intonation mit Nachdruck
den Lobgesang Marias musikalisch zum Ausdruck brachten, um schließlich
im Finale mit einem beeindruckenden "Amen!" zu enden.
Das gesamte Volumen des Michaelsteinchores wurde dem Auditorium auch nicht
bei "Macht hoch die Tür" von Max Reger (20. Jahrhundert) vorenthalten:
nach leisen Sequenzen aller Stimmen zu Beginn steigerte sich der Chor zu einem
vollen "Gaude!" ("Freut euch!"), das in weichen, milden
Harmonien seinen Ausklang in einem Finale fand und auf einem langen Halteton
endete.
Das letzte Stück namens "Cherumvimskaya pjesn" von Peter Iljitsch
Tschaikovsky (19. Jahrhundert) triumphierte durch einen leisen Einstieg, der
nach einem starken Crescendi von piano zu fortefortissimo im Sopran die Luft
sprichwörtlich erzittern ließ, sodass der Zuhörer nicht viel
Phantasie brauchte, um sich die besungenen Engelsscharen vorzustellen. Gestützt
wurde der Sopran durch einen warmen, harmonischen Bass, der die Überleitung
in ein feierliches "Halleluja" durchführte.
Das Auditorium zollte der Leistung entsprechend auch viel Applaus, sodass
sich der Kammerchor mit dem ersten Choral des Weihnachtsoratoriums von Johann
Sebastian Bach ("Wie soll ich dich empfangen") gebührend bedankte.
Carl-Georg
Salzwedel