Interkulturelle Begegnungsmaßnahme und Konzertreise nach
Murmansk, 15.-24. Oktober 2000

Sonnabend, 21. Oktober 2000

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Reiseberichte

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in Russisch

(Cyrillic
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Wie immer gab es von 9-10 Uhr Frühstück mit Eierkuchen und Saurer Sahne / Marmelade, Milchreis und quaderförmigem Ei. Ebenfalls wie immer waren pünktlich 10.45 Uhr alle zum Abmarsch bereit. Vereinbart war 10.30 Uhr!

Auf dem Programm stand die "Kindermusikschule Nr. 1". Mit ihrer Gründung 1945 ist sie die älteste Musikschule auf der Halbinsel Kola. Für die rund 500 Kinder bieten die sonst sehr ornamentreichen Räumlichkeiten zur Abwechslung mal schlichte, farbig gehaltene Wände und Zimmer, vornehmlich in hellblau und rot. Vor dem obligatorischen Rundgang gab es ein Konzert zu hören. In Anbetracht der zahlreichen bisher gehörten Darbietungen in anderen Einrichtungen ist man nicht mehr so in Erwartungshaltung eines qualitativ hochwertigen Konzertes, vielmehr ist man froh, sich von den Tagesmärschen ausruhend, in Ruhe etwas Musik hören zu können.

Nach einführenden Worten durch die stellvertretende Leiterin der Schule spielte der 9-jährige Alexej in Begleitung auf dem Klavier durch seine Lehrerin zwei Stücke auf der Alt-Blockflöte. Sehr konzentriert, sogar etwas übereifrig (was die Intonation der Flöte beeinflusste), schick im schwarzen Anzug mit Fliege -> aber ein abgenagtes Mundstück.

Einen 1. Preis in einem Gebietswettbewerb hat Anastasia gewonnen. Nach ihrem Stück auf der Dombra (sieht aus wie eine dreisaitige Mandoline) war das verständlich.

Viktor (15) präsentierte das Ergebnis seines 4-jährigen Gitarre-Unterrichts mit einem sehr anspruchsvollen Werk von Zegankov. Ein Schülerin-Lehrerin Dombra-Duo mit Klavierbegleitung spielte sehr unterhaltsam die Johann-Strauß-Polka "Der Kaiser kommt".

Zum Abschluss der Solobeiträge bot die wettbewerbserfahrene Elena ein Werk von Formjenko auf dem Akkordeon dar. Sehr virtuos! Man konnte spüren, dass die Schülerin während ihres Spiels aktiv musikalisch gestaltete und nicht nur eingeübte Lautstärken wiedergab. Das war sehr angenehm.

Unerwarteter Höhepunkt war das Orchester der Musikschule. Bestehend aus Dombra, Balalaika (beide dreisaitig), Bajan (ähnlich wie ein Knopfakkordeon), E-Bass und diversen Perkussionsinstrumenten bot das etwa 15-köpfige Ensemble einen Querschnitt aus seinem Repertoire. Es erklangen Werke von Tamarin ("Kleines Kind", "Mückentanz"), Gibirgam ("Galopp") und Arietta Skulte. In Gibirgams "Galopp" gab es ein pistolenartiges Instrument, welches bei seinem ersten Einsatz kräftiges Erschrecken und kurzzeitige Schwerhörigkeit auslöste. Das hatte zur Folge, dass sich, sobald der Schüler dieses Instrument in die Hand nahm, einige Zuhörer die Ohren in Erwartung des lauten Knalls zuhielten. Am Beispiel des Orchesters kann man sehen, wie es um viele Bereiche der Kultur und des Lebens in Russland bestellt ist: Dem hochwertigen Spiel und der Freude an der Musik stehen defekte Instrumente und selbstabgeschriebene Noten gegenüber. So tief man auch in die "Russische Seele" durch Melodik und Harmonie eintauchen könnte, wurde alles durch eine verpoppte Begleitung verflacht.

Weiterhin wurde uns mitgeteilt, dass das Orchester nach Tschgorsk zum "Tag der Murmansker Kultur" fährt, viele Lehrer im Amadeuschor gesungen haben, der Direktor der Schule Manager des Amadeuschores ist und im März 2001 zum 2. Mal ein internatinaler Wettbewerb für Klavier und Volksinstrumente stattfindet, dessen Ausrichter die Schule ist.

Wie schon vielfach erlebt, wurde in den Schlussworten der Chor wieder eingeladen und Erinnerungsmedaillen verschenkt. Anschließend begann der Rundgang durch die Musikschule. In einem Übungsraum lagen viele Instrumente und jeder klampfte und dudelte nach Herzenslust. Während der Chor den Rundgang fortsetzte, war ich mit Herrn Buchwald beim Direktor. Dort wurde über die weitere Zusammenarbeit beraten und konkrete Pläne für 2001 verabredet.

Ankündigungsplakat im SchaufensterNach dem Mittagessen in der Mensa war der Besuch des Kulturpalastes geplant. Dort wusste man nichts davon. Deswegen wurde die Zeit gut genutzt und noch eine letzte Probe für das große Konzert am Sonntag angesetzt. Auf der Bühne des Kulturpalastes fiel das Proben schwer, da alle angestrengt von der Woche waren und lieber das schöne Wetter genutzt hätten. Der Rest des Tages war frei und wurde verschieden genutzt: Besuch einer Diskothek, einer Bar, Billard und allgemeine Vertiefung persönlicher Beziehungen :-)

Sebastian Göring

 
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