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Reiseberichte
in Russisch
(Cyrillic
Windows 1251) |
Wie immer gab es von 9-10
Uhr Frühstück mit Eierkuchen und Saurer Sahne / Marmelade,
Milchreis und quaderförmigem Ei. Ebenfalls wie immer waren pünktlich
10.45 Uhr alle zum Abmarsch bereit. Vereinbart war 10.30 Uhr!
Auf dem Programm stand die "Kindermusikschule Nr. 1". Mit
ihrer Gründung 1945 ist sie die älteste Musikschule auf der
Halbinsel Kola. Für die rund 500 Kinder bieten die sonst sehr ornamentreichen
Räumlichkeiten zur Abwechslung mal schlichte, farbig gehaltene
Wände und Zimmer, vornehmlich in hellblau und rot. Vor dem obligatorischen
Rundgang gab es ein Konzert zu hören. In Anbetracht der zahlreichen
bisher gehörten Darbietungen in anderen Einrichtungen ist man nicht
mehr so in Erwartungshaltung eines qualitativ hochwertigen Konzertes,
vielmehr ist man froh, sich von den Tagesmärschen ausruhend, in
Ruhe etwas Musik hören zu können.
Nach einführenden Worten durch die stellvertretende Leiterin der
Schule spielte der 9-jährige Alexej in Begleitung auf dem Klavier
durch seine Lehrerin zwei Stücke auf der Alt-Blockflöte. Sehr
konzentriert, sogar etwas übereifrig (was die Intonation der Flöte
beeinflusste), schick im schwarzen Anzug mit Fliege -> aber ein abgenagtes
Mundstück.
Einen 1. Preis in einem Gebietswettbewerb hat Anastasia gewonnen. Nach
ihrem Stück auf der Dombra (sieht aus wie eine dreisaitige Mandoline)
war das verständlich.
Viktor (15) präsentierte das Ergebnis seines 4-jährigen Gitarre-Unterrichts
mit einem sehr anspruchsvollen Werk von Zegankov. Ein Schülerin-Lehrerin
Dombra-Duo mit Klavierbegleitung spielte sehr unterhaltsam die Johann-Strauß-Polka
"Der Kaiser kommt".
Zum Abschluss der Solobeiträge bot die wettbewerbserfahrene Elena
ein Werk von Formjenko auf dem Akkordeon dar. Sehr virtuos! Man konnte
spüren, dass die Schülerin während ihres Spiels aktiv
musikalisch gestaltete und nicht nur eingeübte Lautstärken
wiedergab. Das war sehr angenehm.
Unerwarteter Höhepunkt war das Orchester der Musikschule. Bestehend
aus Dombra, Balalaika (beide dreisaitig), Bajan (ähnlich wie ein
Knopfakkordeon), E-Bass und diversen Perkussionsinstrumenten bot das
etwa 15-köpfige Ensemble einen Querschnitt aus seinem Repertoire.
Es erklangen Werke von Tamarin ("Kleines Kind", "Mückentanz"),
Gibirgam ("Galopp") und Arietta Skulte. In Gibirgams "Galopp"
gab es ein pistolenartiges Instrument, welches bei seinem ersten Einsatz
kräftiges Erschrecken und kurzzeitige Schwerhörigkeit auslöste.
Das hatte zur Folge, dass sich, sobald der Schüler dieses Instrument
in die Hand nahm, einige Zuhörer die Ohren in Erwartung des lauten
Knalls zuhielten. Am Beispiel des Orchesters kann man sehen, wie es
um viele Bereiche der Kultur und des Lebens in Russland bestellt ist:
Dem hochwertigen Spiel und der Freude an der Musik stehen defekte Instrumente
und selbstabgeschriebene Noten gegenüber. So tief man auch in die
"Russische Seele" durch Melodik und Harmonie eintauchen könnte,
wurde alles durch eine verpoppte Begleitung verflacht.
Weiterhin wurde uns mitgeteilt, dass das Orchester nach Tschgorsk zum
"Tag der Murmansker Kultur" fährt, viele Lehrer im Amadeuschor
gesungen haben, der Direktor der Schule Manager des Amadeuschores ist
und im März 2001 zum 2. Mal ein internatinaler Wettbewerb für
Klavier und Volksinstrumente stattfindet, dessen Ausrichter die Schule
ist.
Wie schon vielfach erlebt, wurde in den Schlussworten der Chor wieder
eingeladen und Erinnerungsmedaillen verschenkt. Anschließend begann
der Rundgang durch die Musikschule. In einem Übungsraum lagen viele
Instrumente und jeder klampfte und dudelte nach Herzenslust. Während
der Chor den Rundgang fortsetzte, war ich mit Herrn Buchwald beim Direktor.
Dort wurde über die weitere Zusammenarbeit beraten und konkrete
Pläne für 2001 verabredet.
Nach
dem Mittagessen in der Mensa war der Besuch des Kulturpalastes geplant.
Dort wusste man nichts davon. Deswegen wurde die Zeit gut genutzt und
noch eine letzte Probe für das große Konzert am Sonntag angesetzt.
Auf der Bühne des Kulturpalastes fiel das Proben schwer, da alle
angestrengt von der Woche waren und lieber das schöne Wetter genutzt
hätten. Der Rest des Tages war frei und wurde verschieden genutzt:
Besuch einer Diskothek, einer Bar, Billard und allgemeine Vertiefung
persönlicher Beziehungen :-)
Sebastian
Göring
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