Interkulturelle Begegnungsmaßnahme und Konzertreise nach
Murmansk, 15.-24. Oktober 2000

Donnerstag, 19. Oktober 2000

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Reiseberichte

Sonntag,
15.10.2000


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16.10.2000


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Reiseberichte
in Russisch

(Cyrillic
Windows 1251)

Der Vormittag des vierten Tages unserer Chorreise verlief ruhig. Nach einem gemütlichen Frühstück im Restaurant des Hotels hatten wir die Möglichkeit zur individuellen Beschäftigung. Viele Chormitglieder nutzten die Zeit für einen Stadtbummel.

Nach dem Mittagessen besuchten wir das Bredow - Zentrum für Kinder- und Jugendkunst in Murmansk. Dieses Zentrum wurde 1946 gegründet und bietet den Kindern und Schülern in der Woche zwischen 9.00 Uhr und 21.00 Uhr zahlreiche Möglichkeiten zur Gestaltung ihrer Freizeit.

Es stehen unter anderem folgende Angebote zur Verfügung:

  • Computerkurse (Informatik) (Darauf, dass dieser Kurs überhaupt angeboten werden kann, ist die Leitung dieses Kinder- und Jugendzentrums sehr stolz.)
  • Sport
  • Technikkurs
  • Musikkurse (Möglichkeit der Erlernung verschiedener Instrumente)
  • Tanzzirkel (Ballett für verschiedene Altersstufen)
  • Mal- und Zeichenzirkel
  • Fotographiekurs (Einige der kunstvollen Fotographien (v. a. schwarz - weiß Bilder) sind im Flur in Schaukästen zu bewundern. Mehrere Fotos davon haben Preise bekommen. Diese Fotos haben deshalb einen hohen Wert, da sie die Welt aus den Augen der Kinder wiedergeben.

Wir besuchten einige dieser Kurse und bekamen somit einen Einblick in die Arbeit der Kinder in ihrer Freizeit.

Zuerst besuchten wir den Kurs für Informatik. Dieser Kurs ist bei den Kindern sehr beliebt und populär. Uns wurde mitgeteilt, dass den Schüler in Russland bislang kaum die Möglichkeit in Freizeitzentren geboten werden kann, mit dem Computer zu arbeiten. Anhand der Computer und der Monitore kann man sehen, dass die meisten von ihnen relativ alt sind. Außerdem ist kein Internet - Zugang vorhanden. Dennoch ist es bemerkenswert, dass es überhaupt solch einen Kurs gibt.

Im Anschluss daran besuchten wir den Mal- und Zeichenzirkel. Zahlreiche Bilder (z. B. aus Stoff und Knöpfen, Zeichnungen, Papierklebearbeiten (z. B. kunstvoll gefertigt aus Zeitungen) sowie Arbeiten aus Ton (Reliefs) schmücken den Raum. Die Kinder waren gerade dabei, ein bestimmtes Muster abzuzeichnen. Sie haben dazu ihr A2 Blatt auf einer Staffelei aus Holz liegen. Auch aus dieser Gruppe haben einige Bilder Preise erhalten. Im Nähkurs stellen die Kinder unter anderem Kleidungsstücke für Theateraufführungen oder Spielsachen und Kleider für Puppen her. Dafür stehen fünf Handnähmaschinen und eine elektrische Nähmaschine zur Verfügung. Die Kinder dieses Kurses sind ca. 9 - 14 Jahre alt. Im Regal sind ihre selbstgefertigten Dinge (z. B. Puppen und Tiere) zu bewundern.

Katze und MausIm Kurs für Tanz und Choreographie konnten wir bereits die Jüngsten beobachten. Hier nehmen vorwiegend die Mädchen teil. Die Jungen ziehen dem Tanzunterricht Sport vor. Ab und zu haben sie auch die Möglichkeit, öffentlich aufzutreten. Die Leiterin dieses Kurses hat bereits selbst als Kind in diesem Haus getanzt. Auch hier werden die Kostüme selbst gefertigt. Wir sahen den Tanz eines elfjährigen Mädchens. Danach tanzten jüngere, die erst ein Jahr Unterricht hatten.

Insgesamt hat dieses Zentrum nicht den Anspruch, dass die Jugendlichen später einmal Profis in den einzelnen Bereichen werden. Vielmehr soll ihnen Möglichkeit gegeben werden, kreativ tätig zu sein und ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten sowie Freude an ihren Tätigkeiten zu haben.

Eher abstoßend und an alte Zeiten erinnernd wirkte wohl auf viele Mitglieder unseres Chores sowie auch auf unsere russische Reisebegleitung der "Klub der Freundschaft". In altbekannter, fast steriler Weise berichtete uns die Leiterin der Schule von den freundschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern, zeigte uns Bilder aus alten Büchern. Die Lehrerin sagte uns, dass die Schüler von hier aus Briefe in andere Länder verschicken und so freundschaftliche Beziehungen aufbauten. Verbindungen bestünden wohl vorrangig mit Schülern aus Norwegen, dagegen hat man kaum Kontakte nach Deutschland. Doch entstehen Freundschaften nicht eher spontan und bedarf es daher überhaupt einer Institution wie den "Klub der Freundschaft"? Auffallend war außerdem, dass fast ausschließlich die Lehrer unsere Fragen beantworteten, die Schüler aber von einem Gespräch weitgehend ausgeschlossen blieben. Sie saßen um uns herum. Ein Schüler stellte uns am Ende eine Frage, die er von einem Zettel ablas. Es ist zu vermuten, dass sie die Aufgabe hatten, sich im Vorfeld unserer Begegnung Fragen zu überlegen und somit nicht spontan reagieren konnten. Teilweise ist diese Tatsache verständlicherweise auch mit dem äußeren Rahmen unseres kurzen Besuches zu begründen.

Obwohl das Schulwesen in Russland den Anspruch hat, demokratisch zu sein, ist davon noch nicht allzu viel zu spüren. - Wahrscheinlich ein Problem der alten Schulleiter und zum Teil auch Lehrer. Mit allen Vor- und Nachteilen, zum Teil auch Widersprüchen wurde dieses Problem in Deutschland (im Gebiet der ehemaligen DDR) durch die Absetzung der meisten Direktoren besser gelöst.

Einen schönen Abschluss bot die Veranstaltung, an der die Kinder und Jugendlichen dieses Zentrums aus verschiedenen Kursen ihr Können unter Beweis stellten. Am Ende trat unser Chor auf und sang Lieder aus dem Konzertprogramm.

Als kleines Andenken erhielten wir alte, bei den Russen offenbar nach wie vor beliebte, snatchki (Abzeichen).

Am Abend besuchten wir einen Jazz - Club. Einige von uns, darunter besonders die Tenöre, gingen anschließend in die Disko "Pyramide" und verweilten dort mit ihren russischen Bekanntschaften bis ca. 4.00 Uhr des nächsten Morgens. Nur einer der Tenöre träumte wohl glücklich und zufrieden im Hotel von seinen erworbenen Ersatzteilen für seinen alten Gaz (Jeep).

Marc Hartwiger

 
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